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Deutsch-Olympiade



Nicht ganz gereicht hat es für das Schiller-Team: Dafür waren Charlotte, Viktoria, Clemens und Eike von der 9a am originellsten aufgemacht. | Foto: ges

Definiere schlüssig das Unsinnswort "Wolkentasche"

OFFENBURG. Nicht ganz gereicht hat es für die Ortenauer, die am Landesausscheid der "Deutsch-Olympiade" gestern in Offenburg teilgenommen haben: Sowohl die Gastgeber vom Schiller-Gymnasium als auch die Klasse 9 c des Anne-Frank-Gymnasiums in Rheinau mussten dem Albert-Schweitzer-Gymnasium aus Gernsbach und dem Eichendorff-Gymnasium Ettlingen den Vortritt lassen.

Spannung liegt in der Luft. Der Zeitplan hat sich nach hinten verschoben, rasch noch einmal auf der Toilette verschwinden – dann kann es losgehen. Kristina Raab greift zum Mikrofon. Sie ist Projektleiterin der "Deutsch-Olympiade", die von der Initiative Deutsche Sprache veranstaltet wird: Mehr als 44 400 Schülerinnen und Schüler aus 597 Schulen aller Schulformen im gesamten Bundesgebiet nehmen daran teil. Gestern, Dienstag, ging es im Offenburger Schillergymnasium um die Landesqualifikation: Die besten Teams aus dem Ländle werden am 18. März im alten Schauspielhaus in Stuttgart ihr Können im Umgang mit der deutschen Sprache unter Beweis stellen und demonstrieren, dass sie alles können, auch Hochdeutsch. Dann wird es auch Unterstützung von den Rängen geben. Gestern waren die jeweils vierköpfigen Teams unter sich: insgesamt elf Gymnasien und sieben Haupt- und Realschulen. Wer sich in der Landeshauptstadt zu behaupten vermag, kann sich den 17. Mai freihalten: Dann werden die Bundessieger in Berlin ermittelt – und Baden-Württembergs Kultusminister hat schon eine "Bemühenszusage" erteilt: Wenn es irgendwie einzurichten ist, will er in die Hauptstadt kommen.

 

Doch das ist Zukunftsmusik. An diesem Vormittag sollen die Sieger zwischen Karlsruhe und Lörrach, Rheinau und Vaihingen an der Enz ermittelt werden. Mittendrin die Gastgeber aus Offenburg. Die vier Neuntklässler haben sich ganz schön auf cool getrimmt. "Wir wollen in eine andere Rolle schlüpfen", sagt Eike – und fügt mit einem Grinsen hinzu: "Und ein bisschen auffallen." Das ist ihnen gelungen.

Klar seien sie nervös. Aber vor allem seien sie gespannt, welche konkreten Aufgaben sie zu erfüllen haben. Im Deutschunterricht wurde eine ganze Lerneinheit an den Erfordernissen des Wettbewerbs ausgerichtet, wurde Theater gespielt, improvisiert, gedichtet. Jetzt entscheidet die Tagesform über das Weiterkommen. Wobei der olympische Gedanke des Dabeiseins eine große Rolle spielt: "Es macht uns einfach Spaß", versichert Charlotte. "Wenn wir nicht weiterkommen, haben wir immerhin viel Erfahrung gesammelt", ergänzt Clemens.

Bei der Deutsch-Olympiade geht es darum, die jungen Leute zu motivieren, Freude im Umgang mit der deutschen Sprache zu haben. Auf lockere und spielerische Weise werden Texte und Szenen erfunden, werden Schlagfertigkeit und Spontaneität geprobt. Und da alles gemeinsam vonstatten gehen muss, geht es auch um soziale Kompetenz und Teamgeist. Ein noch so cleverer Einzelkämpfer hat keine Chance. Marek Czernohous, Deutschlehrer der Klasse 9 a, ist davon überzeugt: "Was hier geübt wird, ist fantastisch." Das Selbstbewusstsein der jungen Leute werde gestärkt, gerade in einem Alter, in dem viele mit sich und der Welt zu kämpfen hätten. Auch sein Kollege Hans Peter Schwenninger hält viel von dem Wettbewerb: Normalerweise komme Rhetorik im Unterricht viel zu kurz. In der Vorbereitungsphase wurde geübt, mit ein paar Stichworten auszukommen und dann in freier Rede über den jeweiligen Sachverhalt zu sprechen. "Das schult ungemein." Schwenninger ist sich sicher: Wenn er diese Schüler in der Oberstufe wieder haben sollte, werden sie bei einem Referat vor versammelter Klasse ganz anders auftreten. Souveräner, selbstsicherer.

Jetzt fällt mir nicht mehr ein – das kann ziemlich peinlich sein."

Vor einer unabhängigen Jury müssen die Teams sich behaupten. Da gilt es, ein Unsinnswort wie "Wolkentasche" zu erklären, schlüssig, humorvoll, nachvollziehbar. Eine kleine Szene muss mit nur wenigen Vorgaben improvisiert werden. Und mit einem vorgegebenen Reimpaar sind die Verseschmiede herausgefordert. Das ist gar nicht so einfach. Zwar reimt sich "Wald" auf "kalt", aber "gestreift" ruft spontan kein Pendant hervor. Zwei Minuten können ganz schön lang sein – Kostproben gefällig? "Um die Chancen nicht zu vernichten, hört man rechtzeitig auf zu dichten." Oder auch: "Jetzt fällt mir nicht mehr ein – das kann ziemlich peinlich sein." 

(Gertrud Siefke, BZ 28.01.09)