Schulpräsident zu Besuch


Manfred Keller, Christian Zehnle, Bianca Renner, Teresa Blust, Siegfried Specker (Foto: Ulrich Marx)
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Der Schulpräsident schwärmt
Siegfried Specker bei Besuch im Schiller-Gymnasium sehr angetan / Winnenden war auch Thema
»Ein bemerkenswertes Angebot«: Schulpräsident Siegfried Specker zeigte sich gestern bei seinem Besuch im Schiller-Gymnasium begeistert vom vielfältigen Fächerangebot. Mit Schulleitung und Elternbeirat sprach er über die Unterrichtsversorgung und das »Winnenden-Problem«.
27.03.2009 - Offenburg. »Man spürt, dass hier Schule mehr als guten Unterricht bedeutet«, sagte Baden-Württembergs Schulpräsident Siegfried Specker gestern bei seinem Besuch im Schiller-Gymnasium. »Begeistert« sei er neben dem Musikprofil, das am Schiller bereits eine lange Tradition hat, vom breiten Sprachangebot der Schule: »Neben Sprachunterricht in Englisch, Französisch, Latein und Spanisch können die Schüler zusätzlich in Arbeitsgemeinschaften Arabisch, Hebräisch und Chinesisch lernen.«
Zudem unterhalte das Gymnasium zahlreiche Schulpatenschaften unter anderen zu Schulen in England, China, den USA und Polen. »Im Zeitalter der Globalisierung ist es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche schon früh fremde Kulturen kennenlernen«, so Specker. Durch einen Schüleraustausch würden die Schüler zusätzlich in sozialem Umgang geschult. Dieser scheint aber laut Speckers Einschätzung am Schiller allgemein gut zu sein: »Man merkt, dass hier großen Wert auf Freundlichkeit und Höflichkeit gelegt wird.«
Rund 20 Schulen besucht der Schulpräsident jährlich, um Probleme zu erkennen und Anregungen aufzunehmen: »In diesem Jahr habe ich meinen Fokus auf Grundschulen und Schulverbünde zwischen Haupt- und Realschulen gelegt.« Der Besuch im Schiller-Gymnasium sei aber trotzdem »durchaus interessant« gewesen
Zehn neue Lehrer
In Gesprächen mit der Schulleitung, den Elternvertretern und der SMV sei es vor allem um die angespannte Personallage und die teils schwierige Unterichtsversorgung gegangen. »Fakt ist, dass wir in Baden-Württemberg einen personellen Engpass in den naturwissenschaftlichen Fächern haben«, so Specker. Obwohl eigentlich nicht genügend Lehrkräfte »auf dem Markt« seien, werde die Unterrichtsversorgung aber auch im nächsten Schuljahr sichergestellt. Manfred Keller, Leiter des Schiller-Gymnasiums, kann zehn neue Lehrkräfte begrüßen. Darunter sei auch ein Lehrer mit der dringend gesuchten »magischen Kombination« (Physik und Mathematik). Neu war laut Specker das Bewerbungsverfahren: »Zum ersten Mal konnten die Schulen selbst Bewerber einladen und ihre Prioritäten an das Regierungspräsidium weitergeben.« Zwischen 60 und 70 interessierte Lehrer bewarben sich am Schiller. »Die zehn, die uns zugewiesen wurden, gehörten auf jeden Fall zu den ersten auf unserer Liste«, so Keller. Letztendlich entscheidet jedoch das Regierungspräsidium: »Wir brauchen einen Korridor zum Nachsteuern, damit eine gleichmäßige Unterrichtsversorgung gegeben ist und Standortvorteile nicht Überhand nehmen«, so Specker.
Ebenfalls zur Sprache kam das »Winnenden-Problem«: »Wir sind noch bei der Aufarbeitung, es gibt noch keine konkreten Maßnahmen«, sagte der Schulpräsident. Er persönlich halte jedoch nichts von übermäßigen Kontrollen: »Die Schule ist ein Symbol der Offenheit und es wäre schmerzlich, diese Offenheit zu verlieren.« Keller glaubt, dass den Schülern eine psychologische Betreuung angeboten werden sollte: »Ideal wären ein bis zwei Psychologen, die die Offenburger Schulen in Anspruch nehmen können.« Stefanie Jäger (OT)
Specker wirbt für mehr Anerkennung
OFFENBURG. Der Amoklauf von Winnenden war dominierendes Thema beim Besuch von Schulpräsident Siegfried Specker am Schillergymnasium. Noch sei man am Aufarbeiten: "Ich will keine vorschnellen Schlüsse ziehen", sagte Specker im Gespräch mit der Presse. Für ihn als Pädagoge sei Schule freilich Symbol für Offenheit: "Diese zu verlieren, fände ich schmerzlich."
Während der Gast aus Freiburg noch keine konkreten Konsequenzen benennen wollte, wünschte sich der Direktor des Schillergymnasiums, Manfred Keller, dass im Vorfeld etwas getan werde. Er fände es sinnvoll, wenn es ein bis zwei Psychologen oder Beratungslehrer gebe, die von allen Offenburger Schulen in Anspruch genommen werden könnten: "Hier besteht Nachholbedarf."
Den Zeitpunkt des Schulbesuchs wertete Keller als etwas unglücklich, da sich derzeit die künftigen Sextaner anmelden. "Wir haben in Offenburg vier gute Gymnasien", betonte der Schiller-Chef, es handele sich nicht um eine von seiner Einrichtung initiierten Werbeveranstaltung. Die Planung sei ganz vom Regierungspräsidium ausgegangen, was von dessen Seite bestätigt wurde: "Wir haben einen Jahresplan. Der Termin stand schon lange fest", erklärte Specker. Er besuche etwa 20 Schulen pro Jahr, der Schwerpunkt 2009 lag auf den Grund- und Hauptschulen sowie den Bildungszentren mit den Realschulen. Als Visitation will er seine Gastspiele nicht verstanden wissen: "Wir wollen zuhören, zuschauen und Wünsche und Kritik aufnehmen."
So wurde die Unterrichtsversorgung angesprochen, die der Diplomvolkswirt als gut am Schiller wertete – "im nächsten Schuljahr", ergänzte Keller. Dann wird es nämlich zehn neue Lehrkräfte geben, darunter einen Pädagogen mit der "magischen Kombination Physik und Mathematik". Auf einen "Lehrerüberschuss" steuere man am größten allgemein bildenden Gymnasium Offenburgs mit seinen 1050 Schülerinnen und Schülern allerdings nicht hin, da sich einige Kollegen versetzen lassen oder in den Ruhestand gehen. Auf ganz Südbaden bezogen glaubt Specker, eine ausreichende Unterrichtsversorgung fürs kommende Schuljahr sicherstellen zu können. Einen Engpass sieht er zwar vor allem in den Naturwissenschaften; doch die eingeleiteten Werbemaßnahmen fruchteten. Weiteres Thema war das Doppelabitur 2012, wenn die letzten "Neunjährigen" gemeinsam mit den G8-Schülern die Reifeprüfung absolvieren. Hier gebe es derzeit eine "Problemanalyse", so Specker. Nicht im Fokus stand die achtjährige Gymnasialzeit, es habe lediglich ein "sachlicher Austausch" stattgefunden, versicherte der 61-Jährige, der sich über vier Stunden einen Überblick im Schiller verschafft hatte.
Specker lobte das Schulkonzept, das Traditionelles mit neuen Aspekten verbinden wolle: "Man spürt, dass die Schule an diesem Ziel arbeitet." Er unterstrich das "klare und gut ausgebaute Schulprofil" und hob unter anderem das Sprachenangebot hervor, das mit Arbeitsgemeinschaften für Arabisch, Hebräisch und Chinesisch besondere Farbtupfer erhalte. Ab kommendem Schuljahr wird es auch einen bilingualen Zug Englisch geben.
Es sei ein Landesziel, die Eigenständigkeit der Schulen zu stärken und sie darin zu unterstützen, ein eigenes Leitbild zu entwickeln und neue Unterrichtsmethoden anzuwenden. Der Arbeitskreis "Gute Schule" am Schillergymnasium gehe mit gutem Beispiel voran. Grundsätzlich wünschte sich Specker, dass die pädagogische Arbeit von der Gesellschaft mehr geschätzt werde: "Wir müssen eine Kultur der Anerkennung stärker pflegen."
Autorin: Gertrude Siefke (BZ)