Schilleranertage 2010


Schulleiter Manfred Keller (l,) und "Schilleraner"-Vorsitzender Christoph Schneble mit Ehrengast Irene Strahlendorf, die vor 70 Jahren am Schiller-Gymnasium ihr Abi gemacht hat.
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„Weißt Du noch, damals“
"Schilleraner" laden zum ersten Treffen einstiger Abi-Jahrgänge des Schillergymnasiums.
OFFENBURG. Beim ersten gemeinsamen Treffen mehrerer runder Abitursjahrgänge haben die Schilleraner mit Irene von Strahlendorff einen Ehrengast begrüßen können: Die 88-Jährige hat vor 70 Jahren ihre Reifeprüfung am Schillergymnasium abgelegt. In Zeiten des Krieges war die Schule von Soldaten belegt, eine offizielle Abschlussfeier gab es nicht, erinnerte sich die alte Dame an das Jahr 1940.
"Nach vorne blicken kann man nur, wenn man weiß, wo man herkommt": Dieses Motto hat sich der 2008 gegründete Verein der Schilleraner gegeben, der die Ehemaligen des Schillergymnasiums zusammenbringen und zugleich für einen Treff der Generationen sorgen möchte. Wie der Vorsitzende Christoph Schneble ausführte, soll das Gemeinschaftsgefühl der Schule gepflegt und ein Kontakt zwischen ehemaligen und jetzigen Schülerinnen und Schülern hergestellt werden: "Heutige Schüler sollen von unseren Erfahrungen profitieren", so der Rechtsanwalt, der lächelnd anmerkt, es selbst "nicht weit" gebracht zu haben: Seine Kanzlei liegt nur wenige Meter von der alten Wirkungsstätte entfernt. Die neu ins Leben gerufenen Schilleranertage begannen am Freitag: Die Ehemaligen schauten sich in der Schule um und besuchten einzelne Unterrichtsstunden. Hier bestand die Möglichkeit, sich den Fragen der aktuellen Pennäler zu stellen und von den eigenen Erinnerungen zu berichten.
Das Spektrum reichte von "Katastrophenzeit" bis hin zur Verherrlichung, sagte Schulleiter Manfred Keller, der am Samstag die Begrüßung im Schillersaal übernommen hatte. Zuvor trat eine kleine Schulband auf, die allerdings nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit erhielt. Der Geräuschpegel im Saal war groß, was gab es nach all den Jahren doch alles zu erzählen. Ein Großteil der Sätze dürfte mit einem "Weißt du noch" begonnen haben. Keller zitierte aus einem Lehrplan des Jahres 1957 und belegte damit, dass zum einen früher nicht alles besser war und zum anderen Ideen, die heute als große Neuerungen gepriesen werden, mitunter vor Jahrzehnten bereits umgesetzt wurden. An einer Empfehlung habe sich bis heute nichts geändert, schloss der Direktor: "Die Aufsatzbesprechung ist umso wirksamer, je rascher die Arbeiten zurückgegeben werden", wusste man schon vor 53 Jahren. Dass es mit der jetzigen Schülergeneration bergab ginge, davon könne keine Rede sein: "Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen um die Jugend von heute", appellierte Keller an die etwa 200 Besucher, die vor 20, 25, 30 und 50 Jahren ihr Abitur gemacht haben.
Noch befinde sich der Verein in der "Ausprobierphase", führte Schneble aus. In den zwei Jahren seines Bestehens wurde aber bereits "sehr segensreich" gearbeitet. Ziel sei nicht, bierselige Treffen zu veranstalten, sondern eine Austauschbörse zu installieren, Vorträge anzubieten, den jungen Menschen bei der Berufssuche behilflich zu sein, aber auch Einblick in das Schulleben früherer Zeiten zu geben.
So haben 1940 neun junge Frauen und sechs junge Männer ihr Abitur gemacht. Zwei Mitschüler sind später im Krieg gefallen, erinnert sich Irene von Strahlendorff, zwei Mitschülerinnen beim Angriff auf Freiburg ums Leben gekommen. Sie selbst, die ihre Abi-Note als "nicht so berühmt" bezeichnete, besuchte später die pädagogische Hochschule in Karlsruhe, wurde Volksschullehrerin und unterrichtete die letzten zwölf Jahre ihres Berufslebens in Ohlsbach. Vier ihrer Klassenkameraden seien noch am Leben: "Ich hätte mich gefreut, wenn ich einige von ihnen hier getroffen hätte." So blieb es bei dem einen Ehrengast.
(Gertrude Siefke, BZ)