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Erfolg für Schillerschüler


 

Der große Traum vom Profitum

 


 
Radrennfahrer Moritz Backofen wurde für den Nationalkader nominiert und will noch höher hinaus
Von Heiko Rudolf

 


Cool, stylisch und selbstbewusst kommt Moritz Backofen daher. Der 16-jährige Fessenbacher erweckt mit seinen blonden Haaren und dem strahlenden Lächeln den Eindruck eines echten Sonnyboys. Doch nicht als Surfer, Skater oder Boarder hat der Fessenbacher auf sich aufmerksam gemacht: Sein Revier ist die Straße, seine Leidenschaft das Rennradfahren. In Zeiten von Fun- und Extremsport – nicht nur aufgrund des negativen Images und der Dopingproblematik des Radsports – eine eher untypische Wahl eines Elftklässlers. »Der Sport an sich begeistert mich einfach«, schwärmt der Schüler des Schiller-Gymnasiums, der durch die Faszination Tour de France den Weg in den Sattel fand.
 
Wille und Disziplin
 
Vergangene Woche wurde Backofen, der bei einer Körpergröße von 1,75 Meter nur 55 Kilogramm wiegt, vom Bundestrainer in den deutschen U19-Nationalkader berufen. »Ich saß nach der Schule mit meinen Eltern beim Mittagessen. Da hat mir mein Vater dann gesagt, dass ich dabei bin«, beschreibt der Athlet der RSG Offenburg-Fessenbach den freudigen Moment. Die Nominierung ist der Lohn für den eisernen Willen und die große Disziplin, mit der Backofen – nicht erst in der zurückliegenden Saison – herausragende
Ergebnisse auf nationaler Ebene erzielte. Vor allem mit seinen vierten Plätzen bei drei bundesweiten Sichtungsrennen auf der Straße weckte der gebürtige Sachse das Interesse der Auswahltrainer. Und auch gegen die internationale Konkurrenz wusste sich der Schützling von Landestrainer Mike Sievers und Vereinstrainer Daniel Palicki zu behaupten. So landete er bei der Thüringen- und der Luxemburg- Rundfahrt ebenso unter den Top 20 wie auch bei den Vattenfall Cyclassics in Hamburg.
 
Beachtliche Resultate, wenn man bedenkt, dass der ehemalige Fußballer erst 2005 beim RMSV Langhurst mit dem Radfahren anfing und bei Freizeitrennen startete. »Ich weiß noch ganz genau, wie mich meine Mama damals mit einem viel zu schweren Mountainbike und einer Limonade mit Strohhalm als Proviant zum ersten Training brachte«, schmunzelt Backofen, der heute ein 7,4 Kilogramm leichtes High-Tech- Rad fährt. 2006 löste er dann seine erste Lizenz und wechselte zur neu gegründeten RSG Offenburg-Fessenbach, bei der sein Vater im Vorstand sitzt.
 
Mittlerweile trainiert Backofen im Schnitt viermal pro Woche, natürlich streng nach Trainingsplan. Ein Wochenpensum von rund 250 Kilometern ist da keine Seltenheit. »Am liebsten fahre ich ins Kinzigtal, suche mir aber genauso gerne immer wieder knackige Anstiege«, schildert der gebürtige Freiberger, der das Bergfahren als seine größte Stärke bezeichnet, sein Trainingsgebiet. Unterstützt wird er nicht nur von seinem Verein, der sich um Startgebühren, Rennbekleidung und einen Mechaniker kümmert, sondern auch von zu Hause. »Meine Eltern helfen mir, wo es geht. Sonst wäre das alles auch gar nicht möglich«, ist Backofen dankbar. Um eine gesunde Ernährung muss er sich nicht nur im Elternhaus keine Sorgen machen: »Ich vermeide Fastfood, achte aber nicht speziell auf meine Ernährung.«
 
2012 fährt der Senkrechtstarter für den Landesverband Baden in der Bundesliga. Sein großes Ziel für die kommende Saison ist jedoch ein anderes: »Ich will für Deutschland bei den U19-Europa- und Weltmeisterschaften starten.« Langfristig hat Backofen aber einen ganz großen Traum. »Ich würde mir wünschen, eines Tages als Profi mit dem Radfahren mein Geld verdienen zu können«, äußert er sich selbstbewusst, weiß aber auch, dass die nächsten beiden Jahre ganz wichtig sein werden.
 
 
Schule und Sport zugleich
 
Schließlich wird Backofen aller Voraussicht nach 2013 – im zweiten G8-Jahr – sein Abitur absolvieren. Eine Doppelbelastung, der er aber gelassen entgegensieht: »Sicher spürt man den Druck. Mit guter Organisation und Selbstdisziplin bekomme ich das aber unter einen Hut.« Danach möchte er als Profi richtig durchstarten. Einen Plan B gibt es (noch) nicht, mit Sport soll dieser dann aber trotzdem zu tun haben.
 
Mit dem heiklen Thema Doping beschäftigt sich Backofen nicht nur zwangsläufig. Ein neunseitiges Dokument regelt genauestens, was erlaubt ist und was nicht. »Bei einer Erkältung muss man schon sehr aufpassen. Selbst Alltagsmedikamente wie Nasenspray und Aspirin sind verboten«, so Backofen. Als Kaderathlet wurde er bei einem Lehrgang zudem von einem Dopingbeauftragten über die Risiken und Nebenwirkungen verbotener Substanzen aufgeklärt. »Ich sehe das Problem und bin froh, dass es in Deutschland viele Kontrollen gibt. Nur so kann unser Sport sauberer werden«, erläutert Backofen, als sei er schon jahrelang im Radsportgeschäft.
 
Jetzt, wo der Winter naht und das Training auf der Straße aufgrund der Wettkampfpause etwas zurückgestellt wird, tauscht Backofen sein Rennrad bei aller Disziplin gerne auch mal gegen ein Crossrad oder Mountainbike ein. Ein bisschen Funsport steckt auch in ihm.
 

(aus: OT 27.10.2011)