Hexen hexten im Schillersaal
Es begann mit schrillem Hexengelächter, es schloss mit Chorgesang über die wundersame Verwandlung der bösen in gute Hexen – dazwischen zauberte die „Kleine Theater-AG“ des Schiller-Gymnasiums am Freitagabend, den 23. Juli, ein märchenhaftes Stück auf die Bühne des Schillersaals, das sie überdies unter Leitung ihrer Lehrerin Verena Huber selbst entwickelt hat.
Nachdem der Chor der Mittelstufe, ganz in Schwarz, die Hexen mit „Kommt!“ aus „Die erste Walpurgisnacht“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy angelockt hat und diese mit ihren Besen durch den Saal geritten sind, tritt Pia (Ronja Hertfelder) auf. Das Mädchen hat sich im Hexenwald ins Hexenhaus verirrt und kann gerade noch unterm Tisch verschwinden, als schon die Hexen kommen und einen teuflischen Plan schmieden: Die Welt ist ihnen zu schön, zu freundlich, zu wenig böse, und das soll dringend anders werden. „Wir hexen uns einfach unser eigenes Paradies!“ beschließen die zweimal vier Hexen (Hanna Bennewarth, Lena Kaiser, Anna Scherer, Lynn Schubarth sowie Andrea Benedek-Kaplar, Rebecca Marek, Sarah Schubarth, Anna-Lena Vollmer), liebevoll hexig zurechtgemacht von Monika Kuhn, und wollen „eine Welt voller Hass“, mit lauter Bösewichtern schaffen.
Leider gelingt ihnen das auch – zunächst. Sie brauen ihren wahrhaft höllischen Sud aus Trollblut, Mistkäferbeinen, Krötenlaich und Fliegenpilzen und sprechen ihren Spruch „Wir machen alle Menschen böse, das gibt ein höllisches Getöse!“ Dabei streiten sie andauernd, was sie jedoch richtig genießen, genauso, als es ihnen gelingt, friedliche Szenen unter freundlichen Menschen zu sprengen. Ein netter Mann (Alexander Glatt), der eben noch einer älteren Dame (Karolin Kiefer) den Koffer getragen hat, wirft ihn ihr vor die Füße und muss sich von ihr wüst beschimpfen lassen, ein Besenbinder (Miro Rahner) und seine Kinder zerstreiten sich fürchterlich.
Alles würde übel enden, wäre nicht Pia, die den Plan belauscht hat und sich daran macht, ihn zu durchkreuzen. Mit Hilfe zweier ulkiger Trolle (Karl Wiedemann, Fionn Stacey), die auch die zahlreichen Kinder im Publikum mit ihren Frechheiten und ihrem Wortwitz entzückten, und einer guten Fee (Katharina Steiger) schafft sie es am Ende, obwohl entgegen dem Rezept statt Trollblut Ketchup im Gegenzauber verwendet wird. Die Hexengruppen prallen aufeinander, ihr Zauber auch, ein Spiegel ist im Weg – und am Ende sind alle Hexen gut und müssen, gegen ihren Willen, nur noch Gutes zaubern.
Die Einzelteile der Handlung sind nicht neu, aber sie wurden originell zusammengestellt, von Verena Huber im Dramentext humorvoll und mit aktuellen Bezügen umgesetzt und frisch inszeniert. Durch die Doppelung der Hexengruppen, die an zwei getrennten Tischen auf der Bühne das Gleiche planen, entstehen witzige Effekte, die Musik, die Teile aus dem Musical „Wicked“ interpretiert, aber auch von Neuntklässlern selbst Komponiertes verarbeitet, rundet die Stimmung ab. Wenn der Chor, am Flügel begleitet von Jens Weber, vom „Grauen“ singt, das sich breitmacht, und dann noch der Wald als rollende Kulisse zu sehen ist, ist die zauberhafte Hexenstimmung perfekt.
Wiederholung, allerdings ohne die musikalischen Teile, vor Beginn des „Schillerhock“, Dienstag, 27.7.10, 15.30 Uhr, Schillersaal.