Barbara Lutz und ihre Musiker sorgen für einen Parforceritt durch die Jahrzehnte / Abschiednehmen von prägenden Band-Mitgliedern.

Die große Ära der Bigbands wird üblicherweise mit dem Swing in Verbindung gebracht. In der Tat prägt der Sound zwischen den 20er und 60er Jahren auch heute noch das Repertoire der großen Jazz-Formationen. Dass der lateinamerikanische Einfluss und später der afroamerikanisch geprägte Funk ebenso wichtig waren, daran erinnerte die Bandleaderin Barbara Lutz auf dem traditionellen Bigband-Abend des Schiller-Gymnasiums.

Die kleine Bigband brachte mit dem fordernden «El cumbanchero» aus der Feder von Rafael Hérnandez und der gemächlich schreitenden «Perfida» von Alberto Dominguez gleich zwei karibische Klassiker, die die Jazzwelt seit jeher in ihren Bann ziehen. Mit unterschiedlichen Stücken aus dem Repertoire von Boogie-Woogie, Rock’n Roll und Funk bekam das Publikum in der Folge eine kleine Lehrstunde der musikgeschichtlichen Entwicklung serviert. Konzentriert und hochmotiviert folgten die 13 jungen Musikerinnen und Musiker den Vorgaben ihrer Taktgeberin. Mit einer gelungenen Version des Radiohits «Call me maybe» als verdiente Zugabe beschloss die Nachwuchskapelle ihren Part des Abends. Auf den drei einzigen Schiller-Posaunistinnen (Wiebke Kretschmer, Ida Hillenbrand, Lisa Ruprecht) ruhen dabei die Zukunftshoffnungen. 

Kleine Big Band des Schiller-Gymnasiums.

Die Große Bigband knüpfte unversehens an die programmatischen Vorgaben des Konzertabends an und fackelte mit «In the Stone» von Earth, Wind and Fire sogleich ein sprühendes Dance-Feuerwerk ab.

Trotz des Unterhaltungscharakters kam auch das Akademische nicht zu kurz. Kenntnisreich und kurzweilig dozierte die junge Bandleaderin über die beiden Hauptstilrichtungen des Abends.

Die Mundo Latino wurde trefflich repräsentiert durch Welthits wie «Mas que nada» (Solo von Juliana Bruder am Altsaxo) oder «Tiger of San Pedro». Dieses Stück lieferte ein dramaturgisch und rhythmisch ansprechendes Exempel der lateinamerikanischen Jazz-Literatur (Solo von Justus Kretschmer, Trompete), in dem die auch als Eselsmaul bekannte Vibraslap, den einen oder anderen Takt auf scheppernde Weise ausklingen ließ.

Aus der Rubrik „Wünsch dir was“ stammte das modernere «You an Me», ein stilistischer Ausreißer des Konzertes. Mit seinen Stimmungswechseln zwischen sentimentalen Bläsermotiven und dem pulsierend stampfenden Hautthema entwickelte das Stück eine faszinierende Eigendynamik, der sich Publikum bereitwillig hingab.

Die «Caravan» von Duke Ellington vereinte Swing und Latin auf unnachahmliche Weise. Angetrieben von der Energie der Rhythmusgruppe (Moritz Litterst, Timo Kaufmann) stellten die Blechbläser ein gutes musikalisches Gespür für die Energie des Jazz‘ unter Beweis. Die Solisten Pascal Alleman Tenorsaxophon) und Paul Forschner (Trompete) erfreuten das Publikum unterdessen mit ihrer Instrumentaltechnik, ein unverzichtbares Ritual eines jeden Bigband-Abends.

Nach Ausflügen in die Welt des Kinos («It had be better tonight» von Henry Mancini mit einer überzeugenden in englischer und italienischer Sprache intonierenden Franka Burgmaier) oder in die 90er Jahre (Jarimoquai «Virtual insanity») setzte sich der Abend abwechslungsreich fort.

Traditionell ist der Bigband-Abend auch ein Moment des Abschiednehmens. Nur ungern wird Barbara Lutz über Jahre präsente Abiturienten wie den Perkussionisten Moritz Litterst ziehen lassen, der die Rhythmusgruppe der Bigband auf unnachahmliche Weise geprägt hat. Joel Wörner, stets Freundlichkeit und musikalische Professionalität ausstrahlend, prägte mit seinen pianistischen Begabung ebenso das Gesicht der Bigband. Nach der südamerikanischen «Copacabana» und der funkigen Zugabe «Freedom at Midnight» wurde der Abend beschlossen. Stellvertretend für die begeisterten Zuschauer fand Schulleiter Keller warme Worte für einen Abend, der für ihn einem unterhaltsamen „Parforceritt“ durch die Jahrzehnte gleichkam und „Feriengefühle, Temperament und Energie“ transportierte.

(Christoph Keppler)