(Dies ist der zweite Teil unseres Praktikumsberichtes, zum ersten Teil geht es hier entlang)

Am GEOMAR in Kiel hatten wir nun weitere 4 Tage Zeit, unsere Daten auszuwerten. Dazu gehören sowohl das Bildmaterial des Tauchroboters, als auch die Messdaten von Multibeam und Multiparametersonde, sowie die Wasser- und Sedimentproben.

Tag 6 – Intensivkurs Meeresforschung

Nachdem wir Luisa Sauerbrey, die leider schon wieder nach Hause musste, verabschiedet und zum Zug gebracht hatten, ging es für uns zum Geomar.  

Jens begrüßt uns an der Tür und führt uns in ein Besprechungszimmer. Hier treffen wir auch Mareike wieder, die uns mit zwei weiteren Forscherinnen einen tiefgehenden Einblick gibt, warum, wo und wie die von uns gesuchte Munition im Meer vorkommt. Wir erfahren, dass viele Sprengkörper beim Bau von Stromtrassen von Offshore-Windparks weggeräumt werden müssen und trotzdem wenig geborgen, sondern nur verlegt wird.
Erschreckend fanden wir die Bilder der Munitionslagerstätten. Statt nur verschlossene Bomben oder Artillerie zu sehen, scheinen deutlich glänzende Ablagerungen überall hindurch. Dieses Materiall ist frei liegendes TNT, wie uns Mareike erzählt.  

Das TNT kann sich im Wasser lösen und wurde auch schon in Fischen gefunden, bis jetzt glücklicher Weise nicht im Muskelfleisch, sondern nur in Organen wie bspw die Gallenblase, die von Menschen idR nicht gegessen wird. Den Fischen schadet es dennoch, denn das TNT löst nicht selten einen Tumor aus. 

Es geht weiter mit einer Einführung in das Daten-Management des Geomar, damit wir unsere Daten korrekt bearbeitend jederzeit schnell wiederfinden können.  

Eine weitere Einheit behandelte die Technik der Photogrammetrie, also wie aus Bildern 3D-Modell gewonnen werden können und wie Bilder georeferenziert und vermessen werden können. Ein längeres Gespräch entspann sich um die Schwierigkeiten bei der Vermessung von Unterwasser-Gasblasen ein Thema, welches wir im Bodensee verfolgen und wofür wir nun ein paar neue, vielversprechende Ideen entwickeln konnten.

Eine der Chemikerinnen des Geomar, Maria, erklärt uns anschließend, was Sprengstoff-typische-Verbindungen (STVs) sind und wie wir sie nachweisen werden. Kurz darauf begeben wir uns in das Labor und beginnen den Plan umzusetzen.  

Die von uns genommenen Wasserproben wurden größtenteils noch an Bord der Aldebaran gefiltert. Wir nehmen die kleinen Spritzen in denen sich die STVs abgelagert haben sollten und waschen sie mit ultrareinem Wasser. Dadurch erhöhen wir die Konzentration der STVs in den Behältern beträchtlich. Wir schließen die Spritzen an eine Vakuumpumpe an und lassen sie bis morgen trocken.  

Mittlerweile ungewohnt früh, schon gegen 16 Uhr, endet unsere Arbeit damit. Genug Zeit, sich ein bisschen Kiel anzuschauen.

Laufende Druckbetankung zum Thema Meeresforschung
Mit dem neu erworbenen Wissen ging es direkt ins Labor
Auch wenn hier nicht unbedingt erkennbar, die Forschungslabore waren beeindruckend und Maria war durchgehend damit beschäftigt unsere, Fragen zu beantworten.
Kleiner Ausflug in den Kieler Hafen mit Zwischenstopp am Pizzaimbiss. Von links nach rechts: Antonio, Martin, Alex und Marek

Tag 7 – Back to work

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Frühstück im Hotel und dann ab zum GEOMAR. Heute steht unsere erste längere Auswertungsarbeitsphase an.  

Wir treffen uns mit Maria vor dem Chemiezentrum des Geomar. Die Wasserproben sind getrocknet und wir können sie weiter verarbeiten. Wir geben etwa einen halben Milliliter Acenonitrile mithilfe einer Pipette und lösen so die STVs aus den FIltern. Die fertigen Proben stellen wir in die Zentrifuge.  

Daraufhin führt uns Maria in das Reinraumlabor. Hier zeigt Sie uns das Massenspektrogram. Erstaunt über die Technik müssen wir das Labor verlassen, wir kommen bald zu spät zu unserem nächsten Termin.  

Wir treffen wir uns mit Frank, Yifan Song und einem weiterem Forscher. Unsere Gruppe teilt sich auf. Alex übernimmt zusammen mit Jens die Kartierung, Martin erstellt eine Karte mithilfe unserer Videos aus dem Tauchroboter mit Yifan und Ich schaue mir mit dem dritten Forscher die Multibeamkarten an.  
Heute ist übrigens Samstag, die Wissenschaftler:innen des GEOMAR haben für uns ihr Wochenende hergegeben.

Erst am Abend verlassen wir das Geomar wieder, morgen steht Literaturrecherche an, am Montag werden wir unsere Arbeit weiterführen.  

Martin bei der Probenpräparation
Die Hinweise, wie man Proben richtig beschriftet, hier gleich umgesetzt
Hiermit werden die sprengstofftypischen Verbindungen aus den Filtern gelöst
Die ersten sieben Proben sind fertig vorbereitet
Der Reinraum und das Massenspektrometer. Das Gerät ist analysiert derzeit andere Proben, so dass wir auf unsere Ergebnisse noch ein paar Wochen warten müssen.
Zu unserer großen Freude sah es im Labor ein bisschen so aus, wie in unserem Makerspace
Unseren Verdacht sahen wir an der Antenne hier bestätigt: Lösungsorientiertes Handeln in der Forschung färbt auf den Alltag ab.
Alex mit endlich adäquatem Dual-Monitor-Setup. Hier beim Einlesen von Multibeamdaten ins QGIS, zur Kartenerstellung

Tag 8 – Von Daten zur Dokumentation 

Nach einem kurzen, sonntäglichen Frühstück setzen wir uns an die Laptops und fingen an, an unserem wissenschaftlichen Abschlussbericht zu schreiben, dessen Abgabe noch diesen Herbst fällig wird. Vor Arbeitswut ließen wir das Mittagessen außen vor und sind am späten Nachmittag direkt zu unserem Wissenschaftspaten, Jens und seiner Frau aufgebrochen, die uns in seinen Garten zum Abendessen eingeladen hatten. 

Vor Ort gab es superleckeres Essen, eine Menge Tipps für unseren Bericht und auch abseits davon viele anregende Gespräche. Ein wunderschöner aber trotzdem auch produktiver Sonntag!

Der Sonntag in Jens‘ Garten

Tag 9 – Dream Theater

Es ist unser letzter Tag der Forschungsreise. Endlich bekommen wir die großen Tauchroboter des Geomar zusehen. 

Wir kommen in eine Werkstatt der Größe einer Lagerhalle. Hier steht nicht nur der Tauchroboter Kiel 6000 sondern auch das bemannte(!) Tauchboot Jago. Beide Geräte überragen uns um 2 Köpfe und sind 2 bis 3 Meter lang. Die riesigen Arme des Kiel 6000 flößen uns mächtig Respekt ein. Der gesamte Tauchroboter erklärt durch seine pure Größe weshalb er vom Geomar verwendet wird.  

Extra für uns wurde die Steuerzentrale angeschaltet. Mit neun Monitoren ausgestattet sieht man hier was der Roboter sieht und kann zentimetergenau steuern wo er hinfährt. Beziehungsweise könnte man, wir dürfen aus Strom- und Sicherheitsgründen nur die Kameras des Tauchroboters kontrollieren. Doch selbst dies fühlt sich durch die pure Umgebung mächtig an. 

Erstaunt lassen wir den Tauchroboter in der Werkstatt zurück und kehren in das Konferenzimmer zurück. Hier erklärt uns Mengkun She, wie aufsteigender Gasblasen im Meer vermessen werden. Daran haben wir auch schon in den vergangenen Jahren gearbeitet, warum wir nicht so recht weiterkamen, wurde uns jetzt klar, das Ganze klingt leider nur simpel. Mit neuen Idee beladen müssen wir uns nun beeilen, unser letzter offizieller Termin heute ist ein kleines Interview. 
Auf dem Rückweg kommen wir einer einer Art kleinem Planetarium, der Arena des GEOMAR vorbei. Hier wird an einer eine Art Holodeck gearbeitet, mit der Forschungsgegenstände oder Ergebnisse dreidimensional visualisiert werden können. Und das in _äußerst_ beeindruckender Art und Weise. Nach dieser Menge an Eindrücken entschlossen wir uns, den Tag im Hafen von Kiel, der Kiellinie ausklingen zu lassen, wohin wir mit einer brandneuen vollelektrischen Fähre übergesetzt wurden. Nur ein leises Gluckern der Wellen ist zu hören, so klingt die Zukunft.

Unser ROV vor dem des GEOMAR. Wir fühlten uns an eine Szene aus dem Spielfilm „Crocodile Dundee“ erinnert („Das ist ein Messer?“ …). Unseren Lehrer haben wir zugegebenermaßen mit dem Fotoshooting malwieder etwas überrumpelt.
Dr. Inken Suck an ihrem Arbeitsplatz zum Steuern des ROV
Das ROV Kiel 6000 ist nicht nur größer, sondern auch auch deutlich komplexer als unseres. Auf dem Bild sind u.a. ölgefüllte Schläuche zu erkennen, die v.a. der Kompensation dienen, um die Gehäuse des ROV druckfester zu machen.
Prof Dr. Greinert erklärt und beantwortet an einem Tiefsee-Lander, der mit einer Winde für verschiedene Messungen am Meeresboden abgesetzt wird.
Martin beim Interview vor passender Kulisse
Die Arena. Wow.
Ausflug mit der Fähre an die Kiellinie. Vollelektrische Antrieb, man kann sich während der Überfahrt in angenehmer Lautstärke unterhalten

Tag 10 – Fahr’n, fahr’n fahr’n auf der Autobahn

Viel zu erzählen gibt es zu dem letzten Tag nicht mehr, außer vielleicht, das wir um ca. 21:00 Uhr wieder in unserem Makerspace angekommen sind!

Foto dann doch verwackelt, Zeit für den Feierabend!

Danksagung

Damit dieses einzigartige Praktikum zustande kommen konnte, waren viele Leute beteiligt, wir hoffen niemanden vergessen zu haben und möchten uns für diesen Fall bereits vorab entschuldigen, es waren so viele, vieeeeelen Dank!

Wir danken Prof. Dr. Jens Greinert vom GEOMAR Kiel und Leiter der Arbeitsgruppe DeepSea-Monitoring. Er ist einfach der beste Wissenschaftspate, den wir uns hätten wünschen können.

Frank Schweikert und Dr. Hannes Imhof von der deutschen Meeresstiftung, für die tollen Tage an und auf der See, all die Hilfe an Board der Aldebaran und dafür, dass sie all das überhaupt möglich gemacht haben.

Sofie Steinhausen für die Begleitung durch das ganze Projekt.

Mareike Kampmeier vom GEOMAR Kiel für die geduldige Einführung am Multibeam und die vielen Erklärungen zum Thema Sprengstoffe im Wasser.

Dr. Inken Suck vom GEOMAR Kiel, der bestimmt coolsten ROV-Pilotin dafür, dass sie uns gezeigt hat, wie man Unterwasserfahrzeuge richtig navigiert und wie ein richtiges ROV aussieht.

Maria Martinez Cabanas vom GEOMAR Kiel dafür, dass sie uns und unsere Proben in Ihre Labore mitgenommen hat, und geduldig stundenlang alle Fragen beantwortet hat.

Svenja Ehlers vom GEOMAR für die Abwicklung der Reiseformalien.

Dr. Kevin Köser vom GEOMAR Kiel, für den inspirierenden Vortrag über Photogrammetrie.

Yifan Song vom GEOMAR Kiel dafür, dass er uns ganz praktisch beigebracht hat, wie man Videomaterial georeferenziert.

Mengkun She vom GEOMAR für die inspirierende Vorstellung seiner BubbleBox.

Und allen GEOMAR-Wissenschaftler:innen dafür, dass sie sich am Wochenende Zeit für uns genommen haben.

Und unserem Lehrer Marek Czernohous dafür, dass er uns die Reise hindurch begleitet hat!

Wir glauben alle, diese Reise werden wir _nie_ vergessen.

Text und Bilder: Antonio Rehwinkel, Lektorat: Marek Czernohous